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Roman

Leseprobe Krimi

"Tisiphone"



1972 wird am Strand des beschaulichen Küstenörtchens Carpinteria die Leiche der 16jährigen Emily Tanner gefunden. Trotz monatelanger Suche kommt die Polizei des kleinen Städtchens den Tätern nicht auf die Spur. Es gibt zwar drei verdächtige Jugendliche, aber da man ihnen nichts nachweisen kann, wird der Fall ungelöst zu den Akten gelegt.

Las Vegas 31 Jahre später

Eine grauenhafte Mordserie hält die Stadt und Patty Shore in Atem. Zettel, die bei den Opfern gefunden werden, deuten auf einen ungelösten Mordfall hin, der 31 Jahre zurück liegt. Während der Täter immer einen Schritt voraus zu sein scheint, keimt der Verdacht auf, dass es jemand auf die Kinder von Jack, John und Ron, den damaligen Verdächtigen, abgesehen hat. Nach einem Bombenanschlag auf ein Hotel am Strip kommt es zu einem atemberaubenden Showdown auf der Plattform des Towers.

Wer steckt hinter den grausamen Morden und versucht Rache für den Tod von Emily zu nehmen?


Polizeiliche Untersuchungen


Samstag, 12. August 1972, 7:30 Uhr


Polizeichef Connely stand über die Leiche von Emily gebeugt unter dem Steg. Kopfschüttelnd richtete er sich nun auf. »Sieht so aus, als ob sie gestürzt und mit dem Kopf auf dem Felsen aufgeschlagen wäre?!«, fragend sah er den Coroner an.

Dieser nickt leicht. »Ja, sieht so aus. Genaueres kann ich aber erst sagen, wenn ich sie mir genauer angesehen habe.« Er winkte seine Helfer heran, die das tote Mädchen auf eine Trage legten, zum Wagen brachten und dann mit ihr wegfuhren, um sie zur Praxis des Leichenbeschauers bringen.

Connely ging auf Pete, einen Polizisten mittleren Alters, zu. »Schon irgendetwas Ungewöhnliches bemerkt?«

Pete schüttelte den Kopf. »Nein. Es sieht wirklich so aus, als ob sie gestürzt und dann mit dem Kopf aufgeschlagen wäre. Die Flut hat sie dann früh morgens erwischt. Könnte eine Erklärung dafür sein, dass wir nicht viel Blut gefunden haben.«

Connely stimmte zu. »Warten wir ab, was der Coroner zu sagen hat, nachdem er sie untersucht hat. Jetzt müssen wir erst mal die Eltern informieren.«


8:30 Uhr


Mit einem flauen Gefühl im Magen fuhr Connely mit Pete zu dem Haus der Tanners. Er hasste es, wenn er solche Neuigkeiten überbringen musste. Man wusste nie, wie die Angehörigen reagierten.

Vor dem Haus der Tanners angekommen, stiegen sie schnell aus dem Polizeiwagen aus. Sie wollten diese unangenehme Aufgabe so schnell wie möglich hinter sich bringen.

Auf ihr Klingeln wurde ihnen von Mr. Tanner die Haustür geöffnet und sie wurden in die Küche geführt, wo Mrs. Tanner unruhig in ihrem Kaffee rührte und der 19jährige Bruder von Emily saß. Erwartungsvoll sahen beide nun auf, als Connely und Pete die Küche betraten.

Nachdem Emily um halb zwölf gestern Abend noch nicht zu Hause war, war Mr. Tanner zu dem Haus der Henderssons gefahren und hatte nach Emily gefragt. Man sagte ihm, dass diese schon eine Stunde lang weg sei. Daraufhin fuhr Mr. Tanner den Weg ab, den Emily normalerweise ging, kam aber, ohne einen Hinweis auf seine Tochter zu finden, wieder zu Hause an. Eine Stunde lang riefen sie dann Freundinnen von ihrer Tochter an, ob diese vielleicht dort wäre und einfach nur die Zeit vergessen hätte. Vergeblich! Um halb zwei rief die Familie dann die Polizei an und meldete ihre Tochter als vermisst.

Jetzt schauten sie die beiden Beamten an. »Haben sie Emily gefunden?« Ängstlich und mit Tränen in den Augen stellte Mrs. Tanner nun die Frage.

Connely räusperte sich. »Ja, wir haben Emily gefunden ...«

Aufgeregt stand Mrs. Tanner auf. »Und?? Wo ist sie? Geht es ihr gut??«

Connely blickte kurz zu Pete. »Wir müssen ihnen leider mitteilen, dass ihre Tochter tot ist.«
Mit einem Aufschrei lies Mrs. Tanner sich auf den Stuhl fallen. Mr. Tanners Augen füllten sich mit Tränen. »Tot?«

Connely nickte betroffen. »Eine Joggerin hat Emily heute Morgen am Strand gefunden. Sie lag unter dem Steg und hatte eine grosse Kopfwunde. So wie es aussieht, ist sie dort gestürzt und dabei mit dem Kopf auf einen Felsen aufgeschlagen. Mehr wissen wir zurzeit auch nicht. Wir müssen auf den Bericht des Coroners warten, bevor wir mehr sagen können.«

Mr. Tanner nahm seine schluchzende Frau in die Arme. Connely kam die nächste Frage bzw. Bitte, die er äußern, musste kaum über die Lippen. »Wir müssen sie bitten ihre Tochter zu identifizieren.«

»Nein, nein, nein ...« Mrs. Tanner zitterte am ganzen Körper. »Das kann ich nicht!«

Bevor Mr. Tanner etwas erwidern konnte, stand Ben auf, der bisher völlig regungslos da gesessen hatte. »Ich komme mit!« Erleichtert klopfte Connely Ben auf die Schulter.

»Gut. Bringen wir das schnell hinter uns.«

Connely und Pete verließen mit Ben das Haus und fuhren mit ihm zur Praxis des Coroners. Dort angekommen, wurde Ben die Leiche seiner Schwester gezeigt. Stumm nickte er nur. Ja, es war Emily. Ben wurde wieder nach Hause gebracht und Connely fuhr mit Pete zur Polizeistation.



Samstag, 12. August 1972, 19:30 Uhr


Genau 12 Stunden waren jetzt vergangen, nachdem die Leiche von Emily gefunden worden war und Connely starrte den Coroner fassungslos an. Er konnte nicht glauben, was er da soeben gehört hatte. Er rief Pete zu sich und gemeinsam lauschten sie jetzt dem Coroner, der geduldig seinen Bericht wiederholte.

»Ich habe Emily untersucht. Die Todesursache ist die Kopfwunde. Durch einen Schlag oder Sturz, beides ist möglich. Als Todeszeitpunkt würde ich ein Uhr nachts angeben. Plus minus eine halbe Stunde. Als ich sie genauer untersucht habe, ist mir aufgefallen, dass sie Verletzungen an den Oberschenkeln hatte. Ich habe das genauer untersucht und festgestellt, dass sie kurz vor ihrem Tod, wann genau kann ich nicht sagen, aber auf jeden Fall an dem gleichen Abend, Sex hatte. Ich habe eine Probe sichergestellt und ins Labor gegeben. Wir werden sehen, was dabei herauskommt. Bei genauerer Untersuchung ihres Schambereiches konnte ich erkennen, dass es ein ziemlich heftiges Erlebnis gewesen sein musste. Ob dies nun eine Vergewaltigung war, kann ich leider nicht eindeutig sagen. Es kann auch einfach nur Sex gewesen sein, aber ich möchte mich da nicht festlegen. Ungewöhnlich ist auf jeden Fall, dass sie keinen Slip trug. Aber auch das muss nicht unbedingt etwas bedeuten. Merkwürdiger fand ich da schon, dass ich in ihrer Kleidung, aber auch unter der Kleidung Sand gefunden habe. Rücken, Haare alles war sandig. Dass würde darauf hinweisen, dass sie nackt im Sand gelegen hat und sich hinterher wieder angezogen hat. Der Sand ist aber nicht derselbe, den ich vorne auf der Leiche gefunden habe ...«

Jetzt unterbrach Pete die Ausführungen des Coroners. »Was soll das bedeuten? Nicht derselbe Sand?«

»Ganz einfach. Der Sand, den wir im Gesicht und vorne auf dem Körper des Mädchens gefunden haben, ist grobkörniger und weist wesentlich mehr Verschmutzungen auf, als der, den wir an ihrem Rücken und in den Haaren finden konnten.«

Jetzt schaltete sich Connely in die Unterhaltung ein. »Und was hat das alles zu bedeuten? Sie haben doch eine Vermutung, oder?«

Der Coroner nickte. »Ja habe ich! Ich glaube nicht an einen Unfall. Es sprechen meiner Meinung nach zu viele Dinge dagegen. Ich gehe davon aus, dass sie vergewaltigt worden ist und dass man dann versucht hat, sie zum Schweigen zu bringen.




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